I Liguriani unplugged entzündeten ein Feuerwerk

GUNZENHAUSEN - "Drinnen?" Ungläubig bis enttäuscht reagierten fast alle Besucher am Eingang zum Falkengarten. Die Entscheidung, in den Markgrafensaal zu gehen, wirkte auf den ersten Blick angesichts des lauen Sommerabends unverständlich. Doch das Feuerwerk, das I Liguriani dort unplugged entzündete, besänftigte die Gemüter schnell. Die italienische Folkband bot höchsten Konzertgenuss.

Auch die Veranstalter der Gunzenhäuser Kulturmacherei waren zunächst nicht begeistert, dass sie die dritte Auflage der "Saitenklänge" nicht im Falkengarten über die Bühne gehen lassen konnten. "Technische Probleme" gebe es, war zu hören. Tatsächlich wären aber mit dem sprudelnden Brunnen und dem rauschenden Verkehr im Hintergrund wohl einige zarte Töne auf der Strecke geblieben, und auch die humorvollen Pointen wären nicht immer bis zur letzten Reihe durchgedrungen.

Und noch einen Wermutstropfen mussten die Kulturmacher und ihr Publikum verdauen: Das Quintett war nur zu viert in die Altmühlstadt gekommen, Dudelsackspieler Fabio Rinaudo war schon vor ein paar Tagen wegen eines Krankheitsfalls in der Familie nach Hause gereist. Doch auch dieses Manko - nicht wenige Besucher hatte gerade der Dudelsack in Verbindung mit italienischer Volksmusik gereizt - machten Claudio de Angeli (Gitarre), Michel Balatti (Flöte), Fabio Baile (Geige, Gesang) und Filippo Gambetta (Akkordeon) schnell vergessen.

Sie nahmen ihr Publikum gleich mit den ersten paar Takten mit auf eine musikalische Reise voller Witz, Gegensätze und so einigen "sehr, sehr, sehr, sehr traurigen" ("molto, molto, molto, molto triste") Geschichten. Etwa die von dem Ehemann, der seine Frau seit Jahren betrügt. Ein kummervoller Text, so Fabio Baile, aber eine fröhliche Musik. Warum das so sei? Weil die Frau den Text und der Mann die Musik geschrieben habe. Es ist weit mehr als bloße Tanzmusik aus Ligurien, die I Liguriani auf der Bühne präsentieren.

Ihre Stücke reichen von Polkas und Schottischen bis hin zu Walzern und Traditionals. Manche Lieder gehen direkt in die Beine, kaum schafft man es, sitzen zu bleiben, andere, wie das wunderbare "Il tragico naufragio del vapore Sirio" direkt ins Herz. Ein bittersüßes Lied über den Untergang des Dampfschiffs Sirio, das 1906 auf dem Weg von Genua nach New York vor der Südostküste Spaniens auf ein Felsenriff auflief. Die zarten, melancholischen Töne von Michel Balattis Flöte und Filippo Gambettas Akkordeon ergänzen sich mit Fabio Bailes etwas heiserer Stimme, die diesen besonderen Schmelz hat, zu einem berührenden, ja betörenden Ganzen, an dessen Ende Michel Balatti seinem Instrument einen Laut entlockt, der an ein leise im Nebel verklingendes Schiffshorn denken lässt.

Ganz anders das mitreißende "Allesandria", ein temperamentvoller Monferrine-Tanz aus der Gegend zwischen Genua und Piacenza. Der Tanz blickt dort, erzählt Michel Balatti, auf eine sehr lange Tradition zurück, aber vor allem ist es die Salami, die die Musiker immer wieder in diese Region Italiens zieht, Salami und dazu natürlich (mindestens) ein gutes Glas Wein.

Jedes Stück hat seine Geschichte, und die Musiker erzählen sie gerne - auf Italienisch und Englisch, denn ihr Deutsch ist doch recht rudimentär, beschränkt sich auf wenige, bahntypische Aufforderungen wie "Keine Gegenstände aus dem Fenster werfen" und, sehr zur Freude des Publikums, ein zutiefst fränkisches "passt scho".

Nach einer kleinen Einlage in der Pause im Freien und am Ende noch zwei wunderbaren Zugaben wäre das womöglich auch ein passendes Schlusswort. Etwas euphorischer könnte man aber auch sagen: Es war ein herrlicher Sommerabend, dem I Liguriani mehr als nur einen Hauch eines ganz unbekannten Italiens weit jenseits von "O sole mio" verliehen. Ein tolles Konzert. MARIANNE NATALIS

Bild: I Liguriani unplugged - Marianne Natalis

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